MenkesinMexico

Sprechen wir über …Klopapier, Trinkgeld und Einkäufe

So langsam erwischt uns der Alltag hier in San Luis Potosí und damit auch die ersten interkulturellen Besonderheiten. Reden wir über Toiletten.. Diese sind im Allgemeinen echt sauber und es kümmert sich immer jemand um die Räumlichkeiten – also kein Problem auch im Baumarkt zur Toilette zu gehen. Was aber für uns Deutsche (oder Europäer) wirklich immer noch seltsam anmutet ist der, meist, offene Eimer neben dem Klo. Gut bei den Damen kennt man das ja als geschlossenes Behältnis für diverse Hygieneartikel, aber hier wird er tatsächlich genutzt um das Toilettenpapier zu entsorgen. Das ist irgendwie bäh und an den Anblick werde ich mich wohl nicht gewöhnen können. Natürlich weiss ich mittlerweile, dass die Abwassersysteme in Mexico nicht besonders belastbar sind und daher steht an vielen Toiletten immer noch die Bitte, sein Papier im Eimer zu entsorgen… Und es gibt ja auch noch viele Ortschaften, deren Häuser kein fliessendes Wasser haben und da ist es natürlich sinnvoll das Papier gesondert zu entsorgen. Dennoch keine wirklich tolle Aufgabe für die Toilettenreinigungstrupps….. in den neuen Häusern ist das Gott sei Dank kein Thema mehr und wer uns besuchen kommt, muss sich keine Sorgen machen!

Trinkgeld ist ein spannendes Thema und ich habe mich letzte Woche mit einer Deutschen unterhalten, die schon mehr als 15 Jahre hier lebt und immer noch ein gespaltenes Verhältnis hat. In Restaurants gibt man schon mal 10%, aber man muss auch sagen, dass es einige Mexikaner auch schon ausnutzen und der Meinung sind, uns fällt es nicht auf, wenn auf einmal auf einer Restaurantrechnung 15-18% aufgeschlagen werden, ohne diese zu benennen oder als Trinkgeld auszuweisen. In der Regel gibt es eine Gesamtrechnung und man teilt sich den Betrag einfach   – jeder schmeisst dann noch etwas Trinkgeld dazu und dann passt das schon. Wenn dann aber immer noch etwas fehlt, dann fängt man an sich die Rechnung anzusehen und da tauchen dann Posten auf, die man nicht kennt…. und da kommt man sich schon ein wenig ausgenutzt vor. 

Bezahlung von Dienstleistern ist auch spannend. Die Arbeitskraft ist hier wirklich nichts wert und man hat hier auch so latent den Eindruck, dass Leute aus den unteren Schichten nicht wirklich geschätzt werden und etwas von oben herab behandelt werden. Beim Einkaufen stehen Leute am Band, die alles in die Taschen einpacken und sie bekommen natürlich auch ein Trinkgeld. Ich bedanke mich auch immer brav bei den Leuten, stelle aber fest, das die Mexikaner ihnen einfach was in die Hand drücken, sie nicht anschauen und auch nichts dazu sagen – hat was von Almosen. Die Höhe des Trinkgeldes ist für uns auch immer noch schwierig einzuschätzen. 10 Peso sind eben nur knap 50 cent.. aber man muss sich eben überlegen, wieviel Geld sie sonst verdienen. So sind 2-3 Peso ausreichend  und der Truppe, die mein Auto säubert gebe ich dann 10 Peso…

Der Caddy beim Golfen bekommt ebenfalls Trinkgeld, oder auch nicht. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Tue ich ihnen was Gutes und bin großzügig, also 400 Peso oder knapp 20 Euro für die Begleitung von 2 Personen auf dem Kurs…oder lasse ich es komplett sein? Denn sie bekommen ja ein Grundgehalt. Schwierig für uns, zumal man keine Reaktion bekommt, ob das Trinkgeld nun wenig, ausreichend oder sehr großzügig war. Es wird kommentarlos eingesteckt. Sehr seltsam für uns . Ein nettes Danke erwartet man schon irgendwie, aber das ist hier einfach nicht Teil der Kultur. Ich gebe es ja freiwillig und warum sollte ich mich dann also für etwas bedanken, was ich zwar annehmen, aber nicht danach gefragt habe… 

Was bezahle ich meiner Putzfrau? Natürlich sind 250 Peso für 5 Stunden nicht viel (also 12 Euro) und im Vergleich zum Caddy (der ja auch noch ein Gehalt bekommt) ist es auch anstrengende Arbeit. Aber Arbeitsleistung ist nun mal billig und wenn ich ihr 1000 Peso zahle wird die Arbeit auch nicht besser gemacht und sie verdient mehr als ein Bandarbeiter in einer Fabrik…. 

Also alles noch nicht so einfach zu verstehen hier in Mexico – aber wir sind ja auch erst knapp drei Monate hier und haben noch Zeit uns anzupassen.

Beim nächsten Mal berichte ich dann über unseren verkürzten Trip an die Pazifikküste!

hasta luego!

Endlich im Haus angekommen

Nun, das war eine spannende Erfahrung, aber nun sind wir in unserem Haus angekommen….Es gab ein paar aufregende Tage rund um den Einzug. Leider war noch nicht alles fertig als die Möbel kamen, aber nach 6 Wochen Hotel konnten wir es kaum erwarten. Carsten musste arbeiten, also habe ich mir morgens nochmal schnell herausgeschrieben, wie die Zimmer auf Spanisch heissen und dann tauchte das Team mit 8 Umzugshelfern auf. Pünktlich und motiviert! Und ich war innerhalb von 10 Minuten überfordert. Liste in der Hand, auf der ich die Kistennummer suchen musste, dann überlegen, was ist da drin gewesen und vor allem, wo gehört das hin, auf Spanisch erklären was das ist und wohin damit….Zwischendurch der neugierige Mann, der wissen wollte, wie es läuft und deutsche Expat-Ehefrauen, die mal schnell schauen wollten, was hier so passiert und Kisten, die irgendwie nicht beschriftet waren oder einfach hiessen: Regal. 250 Kisten und 8 Stunden später war alles im Haus und die wichtigsten Sachen aufgebaut – selbst das IKEA Ecksofa wurde mit 5 Mann in 3 Stunden aufgebaut. Nur bei Omas Schrank haben sie kapituliert, den hat Carsten dann aufgebaut. Bis auf 1-2 Gläser ist alles gut angekommen und jetzt alles soweit seinen Platz.

Seitdem waren immer wieder Handwerker da weil es noch etwas zu richten gibt und ich versuche zu verstehen, was sie wollen…. einiges haben wir gelernt: Wichtigstes Untensil bei Regen ist Wischmop und Tücher – denn der Weg zum Haus scheint gerade zu sein, ist aber etwas abfallend – natürlich in Richtung Haustür und da man locker 2 Süddeutsche Wochenendausgaben unter der Tür hindurchschieben kann, kommt das Wasser da dann auch gut rein:-)

Arbeitszimmer und Gästezimmer Nr. 2

 

Um Einbrecher brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen. Unsere riesige Holzhaustür kann auch nicht geöffnet werden, wenn sie nicht verschlossen ist, sie ist so dermaßen verzogen, dass Besuch prinzipiell durch die Garagentür kommen muss. Wir warten natürlich auf den Handwerker – der kommt, oder auch nicht.

Der Blick vom Eingang ins Haus ist schon gewaltig:

Im ersten Stock sind Gästezimmer, Medienraum, Arbeitszimmer und Wäscheraum untergebracht – und das Muchachazimmer…

Die Schiebetüren am Haus sind auch speziell. Sie sind nicht immer einfach aufzumachen und der Schließmechanismus fällt auch gerne mal aus dem Rahmen, aber es gibt Fliegengitter! Die wiederum nichts nützen, wenn der Mensch, der die Alarmanlage eingebaut hat, die Kontakte an den Türen so positioniert hat, das das Fliegengitter eben nur noch fast zugeht….

Noch größere Waschmaschinen und Trockner gabs leider nicht…

Besonders spannend war es Telefon und Internet zu bekommen – Festnetz ist eigentlich nicht so wichtig, aber wir brauchten die Leitung für die Alarmanlage und nach Beantragung des Anschlusses dauert es normalerweise (mas o menos) 6 Tage  – bei uns 20 Tage, weil es hat ja geregnet und die Telefongesellschaft damit beschäftigt war andere Dinge zu tun. Was man halt so machen muss als Telefongesellschaft wenn es regnet. Jedenfalls kam der Mensch irgendwann und ich stand schon mit Handy parat um die WLAN Zugänge einzurichten. Aber er wollte zunächst sehen, was gemacht werden muss. Keine Leitungen im Haus – also Leitungen kaufen. Voy a volver manana, bin morgen wieder da. Oder auch nicht. 2 Tage später wieder aufgetaucht und angefangen, meterweise Kabel zu verlegen. Alles fertig, aber nutzen kann man es erst 72 Stunden später. Voy a volver! Ich komme wieder… leider spielte da gerade Mexico und dann wars das erstmal. Und am nächsten Tag kam er nicht mehr in die Anlage, weil er zu spät an Nachmittag kam und bis 18 Uhr nicht mehr fertig würde – nun gut, dann eben wieder einen Tag später – und hey, seitdem haben wir Internet und Telefon.

Das ist eigentlich der Medienraum, aber unser TV ist im Wohnzimmer, daher ist das Sport-, und Bügelzimmer…

Aber nun sind wir soweit eingerichtet, der Grill ist bereits im vollen Einsatz und ich besorge die letzten Sachen fürs Haus. Ich freue mich, dass der Steinfussboden die gleiche Farbe hat, wie der Staub, den es hier massenweise gibt, da sieht man ihn nicht gleich so stark!  Unser Roboterstaubsauger ist freudig im Einsatz und in den nächsten Tagen kommt der Gärtner und so werden wir hoffentlich bald auch Pflanzen haben.

Die Besitzerin des Gartencenters hat Bilder vom Haus gemacht, morgen fahre ich dann Blumen mit ihr aussuchen und dann wird alles geliefert und eingepflanzt – Liefern und Einpflanzen kostet ca. 600 Peso bei 2 Mann Arbeit  – das sind 30 Euro….+ das übliche Trinkgeld, das man überall zahlt. Die Preise für Dienstleistungen sind echt der Hammer und man muss sich daran gewöhnen, dass 5 Peso Trinkgeld beim Tanken völlig in Ordnung sind. Umgerechnet 25 Cent. Bei einem Gehalt von 100 Peso am Tag für einfache Arbeiter ist das dann schon ok.

Das Esszimmer – wer weiss, wie groß der Tisch in unserer Wohnung in München ausgesehen hat, kann sich die Größe vorstellen

Unsere Küche mit wirklich viel Platz..

 

Hasta luego!

Vom Regen, Warnblinker und fehlendem Licht bei Autos…

Mein roter Mini Countryman ist genau das richtige Auto hier in San Luis Potosí. Man sagt die schlechtesten Autofahrer in Mexico fahren in SLP  – würde ich jezt mal ohne weitere Stadtkenntnisse unterschreiben. Seit einigen Tagen bekommen wir die Ausläufer einiger Regengebiete zu spüren und nachmittags oder abends ergiesst sich ein heftiger Regenguss mit Gewitter. Daraufhin laufen alle Schlaglöcher voll, das Wasser aus den hügeligen Gebieten läuft die Strasse runter, Straßen stehen unter Wasser, Tunnel laufen voll und die Mexikaner bleiben mit ihrem Auto entweder stehen, haben keine Ahnung was sie tun und fahren als wäre nichts, oder schalten, wie immer bei Besonderheiten im Straßenverkehr, den Warnblinker ein.

Bei Regen muss auch sofort das Haus oder die Wohnung gesichert werden, also erstmal schauen, ob die Fenster oder Türen die Wassermassen aushalten, wenn nicht mit Tüchern abdichten. Die Sturzbäche sind schon beeindruckend…

Spannend ist auch die Benutzung von Parkhäusern. Heute wird wir zu einem Elektromarkt gefahren, der eine Tiefgarage hat. Ich war ein wenig zu schnell bei der Einfahrt unterwegs und habe nicht daran gedacht, dass hier eben mal schnell Höhenunterschiede von 1 m vorkommen….sagen wir Carstens 430i hätte das nicht so mitgemacht. Bei der Einfahrt kommen einem dann auf der falschen Spur Autos entgegen, die einen Parkplatz suchen, nicht ohne vorher erstmal das Handy in die Hand zu nehmen… Licht muss auch nicht in der Tiefgarage gemacht werden und dann gehts los mit der Parkplatzsuche. Erstmal Warnblinker einschalten, dann langsam irgendwie fahren, wenn sich eine Parkmöglichkeit ergibt, erstmal stehen bleiben sodass kein anderer mehr weiter fahren kann. Gerne wird dann spontan entschlossen, dass der andere Parkplatz drei Reihen weiter doch besser ist und so wird spontan weiter gefahren…. Oder Warnblinker aus, rechts blinken und dann doch schnell links abbiegen.

Dafür ist dann aber das Autowaschen sehr entspannt – einfach durch eine Waschstrasse fahren und anschliessend das Auto auf einem vorgesehenen Arbeitsplatz abstellen, 2-4 Mexikaner kümmern sich dann um die weitere Innen- und Aussenpflege und arbeiten sogar mit Aromaduft für den Innenraum. Derweil sitzt man entspannt unter einen Sonnenschirm, trinkt ein Wasser und schaut den anderen beim Arbeiten zu, 10 Minuten später und ca. 110 Peso weniger (4 Euro) ist das Auto wieder blitzeblank…so mag ich das:-)

Hasta luego!

 

Fun Facts

hier mal ein paar erste Kuriositäten aus dem Alltag:

  • Onlinebanking über eine App funktioniert nur bei einer Person auf dem Handy…
  • Wenn ich meinen Führerschein beantrage, muss ich natürlich viele Unterlagen mitbringen, u.a. eine Stromrechnung (wenn noch keine vorhanden ist, dann reicht irgendeine Stromrechnung von irgend jemandem)
  • Carsten hat nächste Woche seinen ersten Steuertermin..er wird hier vom Relocation Service unterstützt. „Bitte bringen Sie Ihre letzten drei Stromrechnungen dazu mit“  – äh, entschuldigen Sie bitte, Sie haben gerade für uns den Hausvertrag gemacht für ein NEUES Haus… da gibt es noch keine Rechnungen….  „Ach so, na, dann bringe ich meine mit“ – ok?
  • Stromrechnungen werden mit der Post verschickt, ohne Umschlag einfach unter die Tür geschoben…nett, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt..
  • Stromrechnungen scheinen wichtig zu sein!
  • Ein guter Spruch unseres Katamaran-Kapitäns in Akumal: Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit!  Das trifft es wohl ziemlich
  • Mein erstes Zeiterlebnis: Bei einem Frühstücksstreffen von internationalen Menschen hier in SLP war ich fünf Minuten zu spät und … dann die erste:-) Also passen sich alle hier den Uhrzeiten sind nur Vorschläge System an.
  • Natürlich kann man auf einer Straße mit drei Spuren auf mit fünf Autos nebeneinander fahren
  • Beim Autofahren gilt hier übrigens das Recht des Stärkeren, Größeren, Schnelleren und Unerschrockeneren. Die einzigen, die blinken um einen Richtungswechsel anzuzeigen sind die Ausländer
  • Bumper und Schlaglöcher folgen in der Regel direkt aufeinander. Wie gut dass ich hier einen Mini Countryman bekommen habe, das federt einiges ab. Knallrot, dann sieht man mich auch besser auf der Straße…

Vom Abschied nehmen und Ankommen

Nach einer super Abschiedsparty in München, bei der weniger Tränen als Alkohol geflossen sind, war der 20. Mai dann umso emotionaler als wir uns in der Früh am Flughafen von Lena verabschiedet haben….wir werden „das Kind“ sehr vermissen, auch wenn die Technologie uns einen engen Kontakt erlaubt…

Daher war wahrscheinlich die Reise auch etwas beschwerlich und mit schwerem Herzen sind wir nach 28 Stunden in San Luis angekommen – hat alles gut geklappt, bis auf die übliche Verspätung ab Mexico City und dem fehlenden Koffer. Der wurde aber brav nachgeliefert. Hier haben wir uns schon an das mexikanische Zeitverständnis gewöhnt.

Nun sind wir also in unserem Zwischenheim gelandet – in der 13. Etage eines Hotels mit Zimmer/Küche und einem wunderbaren Ausblick auf die Stadt.

Natürlich haben wir gleich am nächsten Tag unser neues Heim besichtigt um zu schauen, wie der Baufortschritt aussieht und was soll ich sagen – es geht voran. Allerdings sind wir froh, dass sich auch die Containerlieferung etwas nach hinten zieht, sodass die Bauarbeiter etwas mehr Zeit haben. Immerhin Wassertank und Gastherme sind installiert und die ersten Fensterrahmen gesetzt. An allen Ecken wird gewerkelt und wir können uns schon vorstellen, wie es mal aussehen wird, wenn alles fertig ist. Wann immer das auch ist.

Ab Donnerstag finden im Golfclub, wo wir wohnen werden, die San Luis Potosí Open statt, das Spektakel werden wir uns mal anschauen und Carsten meinte natürlich gleich: Nächstes Jahr machst Du dann mit und kassierst das Preisgeld. Hahaha, guter Scherz! Aber so haben wir die Gelegenheit uns den Platz mal in Ruhe anzusehen und dann werde ich irgendwann mit den Golfstunden loslegen…

Hasta luego!