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Das Leben in Mexico feiern

Es ist laut, ein bisschen schmuddelig, kleine Kinder tanzen durch die Gegend, die Anfahrt auf einer Staubpiste abenteuerlich, nachts um 2 Uhr…kurz Fenapo 2018!

Die Feria Nacional Potosina ist eine bunte Mischung aus Jahrmarkt, Landwirtschaftsmesse, Konzerten und buntem Treiben. 1942 wurde die erste Feria in San Luis Potosi abgehalten und nun hatte ich auch das Vergnügen an einem Abend Teil zu sein. Drei Wochen im August – zum Ende der Sommerferien – wird in San Luis Potosi der große Jahrmarkt aufgebaut. Es gibt wie auf jeder Kirmes Schausteller, Fahrgeschäfte (die Sicherheit ist ungefähr die gleiche wie bei einer Local State Fair in den USA, also weniger vorhanden) sowie Essen und Trinken ohne Ende. Gleichzeitig findet eine Landwirtschaftsausstellung statt, werden Sportveranstaltungen durchgeführt, und Konzerte sowie andere Aufführungen dargeboten. Eine richtig großes Angebot für die Menschen hier im Bundesstaat. 

Wir haben uns für das Konzert der Los Angeles Azules https://www.losangelesazules.com.mx/   entschieden und waren mit 14 Leuten dort. Das Konzert gehört zu einer der Musikkonzerten, die in einer Arena stattfinden, auf dem Feria Gelände. Konzertbeginn war für 23.30 Uhr angesagt – und das an einem Wochentag! Die Jungs haben sich vorsichtshalber mal für den Freitag Vormittag abgemeldet und haben entweder gleich Urlaub genommen oder sind erst gegen Mittag in die Firma gefahren. Gute Entscheidung!

Also rein in die rustikalen Klamotten und mit dem Uber zum Ort des Schauplatzes gefahren. Unsere Uber Fahrerin fuhr so langsam und unsicher, dass Carsten am liebsten das Steuer übernommen hätte. Naja, mit einer Hand das Handy-Navi und dann noch durch die Gegend fahren ist auch nicht so der Knaller. Nachdem wir unsere heile Welt des Golfplatzes verlassen haben, sind wir über den Pereferico gefahren – eine Strecke die man eigentlich mit seinem eigenen Auto nicht fahren sollte, außer man hat einen Truck. Die festgefahrene Sandpiste besteht auf ca. 300 m nur aus Bodenwellen, die mal eben die Autoachsen ruinieren können… 

Zunächst haben wir uns einen Platz gesucht in einer der vielen Kneipen, mit Blick auf eine Musikbühne, wo ein Meer an wogenden Cowboyhüten sich mit ihren Damen zur lokalen Musik bewegt haben – getanzt wird hier überall und immer so eine Art mexikanischer Foxtrott, einfache Schritte, aber immer ganz eng verbunden! Gerne stampfen die Männer dazu dann auch mit ihren Stiefeln auf dem Holzboden, was zum allgemeinen Lärmpegel beiträgt. Laut, bunt, fröhlich geht’s hier zu. 

Gegen 23 Uhr haben wir dann unsere Plätze in der ca. 1500 Leute fassenden Arena eingenommen – gerade rechtzeitig um den letzten toten Hahn zu sehen, der wegtransportiert wurde…Zu den Sportveranstaltungen gehören auch Hahnenkämpfe unter lauten Wetteinsätzen. Ich bin froh, dass ich das nicht sehen musste. Also schnell das letzte Blut aus dem Rondell weggewischt, ein paar Sägespäne gestreut und während die Aufbauten für das Konzert losgingen, wurde noch eine Runde Bingo gespielt. Keinen hat das interessiert und als es dann gegen 0.30 Uhr mit der Musik losging, was die Hölle los. Eine 15 Mann/Frau starke Truppe ist aufgelaufen und hat uns über 2 Stunden lang mit ihren Liedern eingeheizt. Die Damen vor uns kannten jedes Lied auswendig – aber bei Coldplay ging es mir ja auch so:-) Zwischen den engen Reihen und Sitzplätzen liefen dann immer wieder Verkäufer rum, die Getränke (Bier, Tequilaflaschen,  Cola, Wasser) und Snacks verkauft haben, alles abenteuerlich auf einem Tablett durch die Gegend tragend. 

Die Arena hat soll  mitgemacht und fast keiner ist auf seinen Sitzen geblieben, es wurde getanzt, gesungen und die Hände geschwenkt. Ein tolles Erlebnis und als wir gegen 3.30 Uhr wieder zu Hause waren haben mir die Ohren geklingelt. 

Ein Paradebeispiel an mexikanischer Lebensfreude!

Hasta luego

Mala temporada – unsere verkürzte Reise an den Pazifik

mala temporada bedeutet soviel wie falsche Zahreszeit. So könnten wir unsere zweite Reise beschreiben. Wir sind von San Luis mit dem Auto zunächst nach Guadalajara gefahren, wo wir ein wunderbares Wochenende verbracht haben. Guadalajara ist die zweitgrößte Stadt Mexikos und wird auch die Perle Westens bezeichnet. Die Stadt hat viel zu bieten und wir haben das Wochenende genossen, auch wenn es sehr heiß und teilweise sehr schwül war. Ein Vorgeschmack auf Puerto Vallarta.

Gegründet 1532 unter dem Namen Esperitu Santo hat sich die Stadt rasend entwickelt. Heute ist Guadalajara unter anderem bekannt als Silicon Valley Mexikos und als  Gastgeber des wichtigsten mexikanischen Filmfestivals. Es gibt viele Universitäten und ist Sitz der zweitältesten Universität des Landes. Sehr düster hingegen sind die Wandmalereien des Malers Jose Clemete Orozco in dem Instituto Cultural Cabanas. Orozco gilt als Begründer der zeitgenössischen Malerei und seine Wandmalereien sind fast wie Karikaturen und zeigen die Unterdrückung von Menschen und die Herrschaft von Maschinen und das in den dreissiger Jahren… Sehr spannend war der lokale Foodmarkt, wir haben uns aber noch nicht getraut, von den kleinen Imbissständen zu essen….

Weiter ging es dann nach Puerto Vallarta, wo wir an der Küste ein brandneues, hoch über der Küste, Hotel bezogen mit einem traumhaften Blick auf die Pazifikküste. Alles gut, bis wir aus dem Auto stiegen und von der Luftfeuchtigkeit nahezu erdrückt und Moskitos zerfressen wurden.

Nachts mussten wir uns dann entscheiden zwischen dem Lärm der Klimageräte und Luftentfeuchter und der stickigen Hitze…Beides keine guten Optionen für uns. Wir haben gehofft, ein bisschen Golf zu spielen und im tropischen Urwald den Botanischen Garten zu erkunden, aber die Luftfeuchtigkeit und die Mosiktos haben uns echt zu schaffen gemacht.

Als wir dann am nächsten Tag durch die kleine Stadt spaziert sind, hat uns das echt den Rest gegeben. Die Küstenstadt ist sehr schön, und hat eine wunderbare Promenade. Da allerdings Nebensaison ist, waren nicht viele Besucher da, und so wurden wir ständig angesprochen. Die skurrilste Konversation lautete in etwa: „Hi Gringos, hier gibts Drinks für 1 Dollar! Sorry, wir sind keine Gringos. Ach, woher seid ihr denn? Aus Deutschland. Cool, schöne Grüße an die Mafia!“  What the heck…?

So haben wir uns entschieden, den Urlaub abzubrechen und wieder nach SLP fahren. Hier konnten wir die restlichen Tage Golf spielen und das tolle Wetter geniessen. Die richtige Entscheidung.

Hasta luego!

Sprechen wir über …Klopapier, Trinkgeld und Einkäufe

So langsam erwischt uns der Alltag hier in San Luis Potosí und damit auch die ersten interkulturellen Besonderheiten. Reden wir über Toiletten.. Diese sind im Allgemeinen echt sauber und es kümmert sich immer jemand um die Räumlichkeiten – also kein Problem auch im Baumarkt zur Toilette zu gehen. Was aber für uns Deutsche (oder Europäer) wirklich immer noch seltsam anmutet ist der, meist, offene Eimer neben dem Klo. Gut bei den Damen kennt man das ja als geschlossenes Behältnis für diverse Hygieneartikel, aber hier wird er tatsächlich genutzt um das Toilettenpapier zu entsorgen. Das ist irgendwie bäh und an den Anblick werde ich mich wohl nicht gewöhnen können. Natürlich weiss ich mittlerweile, dass die Abwassersysteme in Mexico nicht besonders belastbar sind und daher steht an vielen Toiletten immer noch die Bitte, sein Papier im Eimer zu entsorgen… Und es gibt ja auch noch viele Ortschaften, deren Häuser kein fliessendes Wasser haben und da ist es natürlich sinnvoll das Papier gesondert zu entsorgen. Dennoch keine wirklich tolle Aufgabe für die Toilettenreinigungstrupps….. in den neuen Häusern ist das Gott sei Dank kein Thema mehr und wer uns besuchen kommt, muss sich keine Sorgen machen!

Trinkgeld ist ein spannendes Thema und ich habe mich letzte Woche mit einer Deutschen unterhalten, die schon mehr als 15 Jahre hier lebt und immer noch ein gespaltenes Verhältnis hat. In Restaurants gibt man schon mal 10%, aber man muss auch sagen, dass es einige Mexikaner auch schon ausnutzen und der Meinung sind, uns fällt es nicht auf, wenn auf einmal auf einer Restaurantrechnung 15-18% aufgeschlagen werden, ohne diese zu benennen oder als Trinkgeld auszuweisen. In der Regel gibt es eine Gesamtrechnung und man teilt sich den Betrag einfach   – jeder schmeisst dann noch etwas Trinkgeld dazu und dann passt das schon. Wenn dann aber immer noch etwas fehlt, dann fängt man an sich die Rechnung anzusehen und da tauchen dann Posten auf, die man nicht kennt…. und da kommt man sich schon ein wenig ausgenutzt vor. 

Bezahlung von Dienstleistern ist auch spannend. Die Arbeitskraft ist hier wirklich nichts wert und man hat hier auch so latent den Eindruck, dass Leute aus den unteren Schichten nicht wirklich geschätzt werden und etwas von oben herab behandelt werden. Beim Einkaufen stehen Leute am Band, die alles in die Taschen einpacken und sie bekommen natürlich auch ein Trinkgeld. Ich bedanke mich auch immer brav bei den Leuten, stelle aber fest, das die Mexikaner ihnen einfach was in die Hand drücken, sie nicht anschauen und auch nichts dazu sagen – hat was von Almosen. Die Höhe des Trinkgeldes ist für uns auch immer noch schwierig einzuschätzen. 10 Peso sind eben nur knap 50 cent.. aber man muss sich eben überlegen, wieviel Geld sie sonst verdienen. So sind 2-3 Peso ausreichend  und der Truppe, die mein Auto säubert gebe ich dann 10 Peso…

Der Caddy beim Golfen bekommt ebenfalls Trinkgeld, oder auch nicht. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Tue ich ihnen was Gutes und bin großzügig, also 400 Peso oder knapp 20 Euro für die Begleitung von 2 Personen auf dem Kurs…oder lasse ich es komplett sein? Denn sie bekommen ja ein Grundgehalt. Schwierig für uns, zumal man keine Reaktion bekommt, ob das Trinkgeld nun wenig, ausreichend oder sehr großzügig war. Es wird kommentarlos eingesteckt. Sehr seltsam für uns . Ein nettes Danke erwartet man schon irgendwie, aber das ist hier einfach nicht Teil der Kultur. Ich gebe es ja freiwillig und warum sollte ich mich dann also für etwas bedanken, was ich zwar annehmen, aber nicht danach gefragt habe… 

Was bezahle ich meiner Putzfrau? Natürlich sind 250 Peso für 5 Stunden nicht viel (also 12 Euro) und im Vergleich zum Caddy (der ja auch noch ein Gehalt bekommt) ist es auch anstrengende Arbeit. Aber Arbeitsleistung ist nun mal billig und wenn ich ihr 1000 Peso zahle wird die Arbeit auch nicht besser gemacht und sie verdient mehr als ein Bandarbeiter in einer Fabrik…. 

Also alles noch nicht so einfach zu verstehen hier in Mexico – aber wir sind ja auch erst knapp drei Monate hier und haben noch Zeit uns anzupassen.

Beim nächsten Mal berichte ich dann über unseren verkürzten Trip an die Pazifikküste!

hasta luego!